Refraktionswerte gegen Zentrierdaten: was auf dem Pass zusammenkommt
Brillenpass verstehenFachbegriffeZentrierung

Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten. Wenn du über diese Links einkaufst, erhalten wir möglicherweise eine kleine Provision — ohne Mehrkosten für dich. Das hilft uns, weiterhin kostenlose Inhalte zu erstellen.

Refraktionswerte gegen Zentrierdaten: was auf dem Pass zusammenkommt

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine augenärztliche oder augenoptische Beratung. Er stellt keine Diagnose und empfiehlt keine bestimmte Sehhilfe. Bei Beschwerden, starken Werten, Prisma oder Sehveränderungen wende dich an Augenoptiker oder Augenarzt.

Auf einem Brillenpass mischen sich zwei völlig unterschiedliche Arten von Angaben: die Werte deiner Augen und die Maße für die spätere Brille. Die einen beschreiben, wie stark deine Augen korrigiert werden müssen. Die anderen legen fest, wo und wie das Glas in die Fassung eingearbeitet wird. Beide zusammen ergeben erst die fertige Brille, doch sie entstehen in getrennten Schritten.

Die Sehstärkenwerte stammen aus der Refraktion, also der Bestimmung deiner Korrektur. Die Zentrierdaten entstehen erst danach, wenn eine konkrete Fassung ausgewählt ist. Diese Trennung erklärt, warum manche Pässe nur die Refraktion enthalten und die Fertigungsmaße erst beim Kauf hinzukommen.

Refraktionswerte gegen Zentrierdaten: was auf dem Pass zusammenkommt — practical guide overview
Refraktionswerte gegen Zentrierdaten: was auf dem Pass zusammenkommt
💡 Tool-Tipp: Für den Online-Brillenkauf brauchst du deine Pupillendistanz (PD). Wie du sie mit Lineal und Spiegel selbst misst, samt Plausibilitäts-Check, zeigt die Anleitung Pupillendistanz messen.

Was die Refraktion beschreibt

Die Refraktionswerte geben die optische Korrektur deiner Augen in Dioptrien und Grad an. Dazu gehören SPH für die sphärische Korrektur bei Kurz- oder Weitsichtigkeit, CYL für eine Hornhautverkrümmung und die Achse, die in Grad von 0 bis 180 die Richtung dieser Verkrümmung angibt. Bei Bedarf kommen die Addition für die Nähe und ein Prisma hinzu.

Diese Werte sind an dein Auge gebunden und unabhängig von der Fassung. Sie bleiben gleich, egal ob du eine große oder kleine Brille wählst. Genau deshalb lassen sie sich in einen Pass eintragen, der über Jahre aufbewahrt wird, während die Fassung noch gar nicht feststeht.

💡 Gut zu wissen: Die Refraktion beschreibt deine Augen, nicht deine Brille. Ein und derselbe Refraktionswert kann in unzählige verschiedene Fassungen eingearbeitet werden, die Zentrierdaten passen die Werte dann an die konkrete Brille an.

Was die Zentrierdaten festlegen

Zentrierdaten beschreiben, wo die optischen Punkte des Glases relativ zu deinem Auge und zur Fassung liegen. Der bekannteste Wert ist die Pupillendistanz (PD), also der Abstand deiner Pupillen. Dazu kommen bei vielen Gläsern die Einschleifhöhe, die angibt, auf welcher Höhe im Rahmen die Glasmitte oder der Nahbereich liegt, sowie der Hornhautscheitelabstand (HSA), also der Abstand zwischen Glasrückseite und Auge.

Weitere Fertigungsmaße wie die Vorneigung der Fassung oder der Fassungsscheibenwinkel spielen vor allem bei Gleitsicht und starken Werten eine Rolle. Diese Angaben hängen unmittelbar von der gewählten Fassung ab und lassen sich erst bestimmen, wenn die Brille auf deinem Gesicht sitzt.

GruppeTypische AngabenBezieht sich auf
RefraktionSPH, CYL, Achse, ADD, Prismadeine Augen
ZentrierungPD, Einschleifhöhe, HSAAuge plus Fassung
FassungsmaßeGlasbreite, Stegweite, Bügellängedie Brille selbst

So trennst du beide Gruppen auf dem Pass

Damit du nicht durcheinanderkommst, hilft ein einfaches Ordnungsprinzip beim Lesen deines Passes. Die Sehstärkenwerte stehen fast immer zuerst, oft als Tabelle mit R und L.

  1. Suche die Spalten SPH, CYL und Achse, das ist die Refraktion.
  2. Ordne ADD und ein etwaiges Prisma ebenfalls der Refraktion zu.
  3. Erkenne PD, Höhe und HSA als Zentrier- beziehungsweise Fertigungsdaten.
  4. Werte in Millimetern an der Fassung selbst gehören zu den Fassungsmaßen.
  5. Prüfe, ob die Zentrierdaten überhaupt eingetragen sind, oft fehlen sie noch.
⚠️ Häufiger Fehler: Die Zahlen an der Bügelinnenseite deiner alten Brille (etwa 52-18-140) sind Fassungsmaße, keine Sehstärke. Sie beschreiben Glasbreite, Steg und Bügellänge und ersetzen weder Refraktion noch Zentrierung.

Warum die Unterscheidung beim Online-Kauf zählt

Für eine Bestellung brauchst du in der Regel die Refraktionswerte und die PD. Fehlt die PD auf deinem Pass, lässt sie sich beim Optiker nachmessen. Zentrierdaten wie die Einschleifhöhe werden bei Einstärkengläsern oft standardisiert angesetzt, während sie bei Gleitsicht individuell bestimmt werden müssen, das ist einer der Gründe, warum Gleitsicht online anspruchsvoller ist.

Wenn du nur die Refraktion hast, aber keine PD, kannst du trotzdem viele einfache Fernbrillen bestellen, sobald der Pupillenabstand ergänzt ist. Bei Gleitsicht, hohen Werten oder Prisma ist die genaue Zentrierung dagegen entscheidend, und eine persönliche Anpassung beim Optiker sichert das Ergebnis ab.

Wie die Zentrierdaten entstehen

Zentrierdaten werden erst dann bestimmt, wenn du eine Fassung ausgewählt hast und sie auf deinem Gesicht sitzt. Der Optiker markiert dann, wo deine Pupillen relativ zu den Gläsern liegen, und misst die zugehörige Höhe. Bei der Videozentrierung übernimmt eine Kamera diesen Schritt und erfasst zusätzlich, wie die Fassung geneigt ist und wie weit sie vom Auge absteht.

Genau deshalb tauchen diese Werte auf einem Refraktionspass, den du direkt nach der Sehstärkenmessung erhältst, oft noch gar nicht auf. Sie gehören zum Fertigungsschritt und nicht zur Bestimmung deiner Augen. Wenn du online bestellst, ersetzen standardisierte Annahmen oder deine selbst gemessene PD diesen Schritt teilweise, was bei einfachen Gläsern gut funktioniert, bei Gleitsicht aber an Grenzen stößt.

Für dich heißt das: Ein Pass ohne Zentrierdaten ist nicht unvollständig, sondern spiegelt nur wider, dass die Fassung noch nicht feststand. Sobald eine konkrete Brille im Spiel ist, kommen diese Angaben hinzu. Die Refraktionswerte bleiben davon unberührt und behalten ihre Gültigkeit unabhängig von der gewählten Fassung.

Refraktionswerte gegen Zentrierdaten: was auf dem Pass zusammenkommt — step-by-step visual example
Refraktionswerte gegen Zentrierdaten: was auf dem Pass zusammenkommt

Wann du fachlichen Rat einholst

Wenn du unsicher bist, welche Angabe zu welcher Gruppe gehört, oder wenn wichtige Werte wie die PD fehlen, ist eine Rückfrage beim Optiker der klare Weg. Das gilt besonders, sobald ein Prisma eingetragen ist oder die Werte hoch sind, denn dann wirkt sich jede Ungenauigkeit bei der Zentrierung stärker aus.

Um die einzelnen Kürzel zu entschlüsseln, kannst du den Brillenpass-Decoder verwenden. Bevor du bestellst, ordnet der Online-Brillenkauf-Check neutral ein, ob deine Werte und Angaben für einen Online-Kauf ausreichen oder ob eine Beratung sinnvoller erscheint. Beide Werkzeuge liefern keine Diagnose und ersetzen die fachliche Prüfung nicht.

Teilen:

Mehr aus dem Brillenpass verstehen

Alle ansehen →

Veröffentlicht durch die BrillenLotse-Redaktion. Veröffentlicht am 3. November 2026.

Verantwortlich i.S.d. § 18 MStV: siehe Impressum.

Fehler entdeckt oder ergänzende Erfahrung? korrektur@brillenlotse.de

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.